Aydo in Istanbul
Und zum Schluss ‘ne Dose Efes

Ich bin angekommen… Nicht nur physisch, nein, auch mit allen Geistern fühle ich mich seit heute in Istanbul doch ein wenig zuhause. Dabei sind es diese kleinen Momente, die einen mit so viel Glück erfüllen können… Aber eins nach dem anderen, denn es liegt schon eine sehr ereignisreiche Woche hinter mir.

Zugegeben, etwas seltsam war das heute morgen schon: Da wachst du auf und hast Geburtstag - und keiner ist da. Es hätte ein trauriger Tag werden können, es wurde ein großartiger. Mittags bin ich mit meiner lieben Leipziger Mit-Erasmuslerin - ich rede ab jetzt nur noch von Sophia - nach Kadiköy gefahren. Eine spontane Aktion, denn sie ist auch erst seit Freitag da und ich hab sie heute Vormittag bei Facebook angetroffen. 13 Uhr an der Uni? Alles klar!

Vom Campus in Atasehir braucht man etwa 40 Minuten mit dem Bus nach Kadiköy - obwohl es der Nachbarstadtteil ist. Man stelle sich vor: In 40 Minuten von der Südvorstadt zur Uni… Verrückt, aber etwas, an das man sich gewöhnen kann - oder muss. Genauso wie generell an den Verkehr in Istanbul: Sicher, da gibt es viele Geschichten drüber, aber mitreden kann nur, wer mal selbst auf den Straßen unterwegs war. Ein Höllen-Lärm, ein Wahnsinns-Gedrängel, ein Monster-Tohuwabohu. Das Kuriose: Das Chaos funktioniert. Auch wenn es schnell mal zum Erlebnis wird, einfach nur eine Straße zu überqueren.

In Kadiköy haben wir es uns gut gehen lassen. Erst haben wir ein bisschen auf dem Pier flaniert und uns den Wind um die Nase wehen lassen, danach gab es ein leckeres türkisches Eis (klebrige Angelegenheit…) und am Ende eine großartige 90-minütige Bootstour auf dem Bosporus, vorbei an vielen tollen Sehenswürdigkeiten und hin und her zwischen Asien und Europa. Was soll ich sagen? Ich war hin und weg und Sophia ging es genauso. Hier werden wir jetzt also sechs Monaten verbringen? Wunderbar!

Der Rückweg hat dann wieder ein wenig gezehrt - an den Kräften und an den Nerven. Es war etwas mehr Verkehr und dann dauert es von Kadiköy nach Atasehir eben auch mal 80 Minuten anstatt 40… Und wenn man sich dann nicht so ganz sicher ist, ob das nun der richtige Bus ist, ist einem doch schnell etwas mulmig zu Mute.

Ich könnte noch so viel erzählen von der ersten Woche - von der Hochzeit meines Cousins etwa, die wirklich schön war und die mit allem Tamtam ablief (feierliches Entführen der Braut aus dem Elternhaus, viel lauter Musik auf dem Standesamt, kleine Kinder die sich an der Hochzeitskolonne ein Taschengeld verdienen, ein rauschendes Fest mit viel Raki, …); von den Problemen, wenn man Leute zwar gut versteht, die Sprache aber noch nicht zum Sprechen reicht und man immer wieder in Erklärungsnot kommt, warum man eigentlich kein Türkisch spricht; und davon, wenn man Teile seiner Familie nach vielen Jahren wiedersieht und sich so fühlt, als hätte man sie nie aus den Augen verloren. Tolle Erlebnisse, die mir das Ankommen leicht gemacht haben.

Trotzdem war es dieser kleine Moment, der in mir so ein richtiges Gefühl von Wohlsein ausgelöst hat: Als ich mir eben in meinem Apartment (Info am Rande: zwei Zimmer, 500 Meter von der Uni entfernt, alles tipi-topi) im Sessel sitzend entspannt eine Dose Efes aufgemacht, durchgeatmet habe und dachte: Istanbul, hier bin ich jetzt zuhause!

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