Aydo in Istanbul
Von A nach B und dann zu C

Die erste Woche an der neuen Uni neigt sich dem Ende entgegen - mit erstaunlichen Erkenntnissen: Ich kenne so ziemlich jedes Gesicht im Department, türkische Bürokratie steht der deutschen in Nichts nach und diese Lehranstalt ist so uuunglauuublich protzig! Aber der Reihe nach…

Morgens ist es eigentlich immer schon ein kleines Erlebnis, überhaupt in die Uni zu kommen. Die ganze Gegend hier ist am Berg gelegen, inklusive meines Apartments. Und so geht es nach dem Aufstehen immer erst einmal einen Anstieg hoch, der sich vor den Rampen bei der Tour de France nicht verstecken muss. Witzigerweise muss ich eben diese Rampe auf der anderen Straßenseite dann immer wieder bergab laufen, weil die Lehrgebäude etwas tiefer gelegen sind. Sisyphos lässt grüßen!

Am Tor der Uni angekommen fühle ich mich dann immer ein wenig wie ein Schwerverbrecher. Der gesamte Campus ist von einer meterhohen Mauer umgeben und wird von zahlreichen Sicherheitskräften bewacht. Erst geht es durch den Metallscanner, dann muss ich auch noch meinen Ausweis vorzeigen, den ich allerdings noch gar nicht habe und deshalb immer darauf verweisen muss, dass ich Erasmus-Student bin. Woher? -  Aus Deutschland! - Deutschland ist schön!  - Ja…

Was den Campus selbst angeht gehen die Meinungen auseinander. Alles ist super neu und strahlt nur so vor Prunk. Vor den Toren der Uni findet sich kaum ein Plätzchen, wo eine derartige Ordnung herrscht. Nirgendwo sonst in Istanbul ist es so grün. Treppen aus Milchglas, blendende Fensterfronten, imperiale Fassaden - so zeigt der Türke, was er hat. Mir gefällt das, ich fühle mich wohl dort. Wahrscheinlich auch deshalb, weil vieles schöner ist, als der lieblose Neubau der Uni Leipzig mit seiner grenzenlosen Begrünung im sonnendurchfluteten Innenhof.

Ganz wie Zuhause fühle ich mich hinsichtlich der Bürokratie. Mal eben so bekommst du an der Yeditepe nichts, du musst immer zumindest einmal von A nach B und dann wieder nach C laufen - wenn das überhaupt reicht und vor allem: Wenn du verstanden wirst. Denn so gut die Akademiker hier der englischen Sprache mächtig sind, so schwer von Capisce sind die Angestellten in der Verwaltung. Aber gut, ich hätte ja auch schon mal Türkisch lernen können.

Zu einer richtigen Odysee hat sich die Wahl meiner Kurse entwickelt. Alles, was ich mir in Deutschland so überlegt habe, war für die Katz. Entweder werden die Veranstaltungen gar nicht oder eben nur in Türkisch angeboten. Blöd. Ansonsten ist es schwer, etwas im Graduate-Bereich, also für Master-Studenten wie mich, zu finden. Überhaupt gibt es hier kaum Austauschstudenten in höheren Semestern. Deshalb lief ich dann wie gesagt von A nach B und dann wieder nach C und sprach so ungefähr mit jedem Dozenten, der im Department of Communication lehrt. Immerhin mit Erfolg, denn nach einer Woche scheint es tatsächlich so, als hätte ich Kurse gefunden, mit denen ich etwas anfangen kann.

Markenmanagement ist dabei, Kommunikationstechniken, New Media Management, Recherche in Medienstudien… Keine Ahnung, was mir mein heimisches Institut davon anrechnen wird. Die Masterprogramme hier sind sehr Marketing- und werbelastig. Aber nun gut, ich habe erst einmal genommen, was ich bekommen konnte. Einige Kurse, und das finde ich bemerkenswert, werden die Dozenten mir in Face-to-Face-Sitzungen geben, denn in den regulären Kursen lehren sie dann doch manchmal auf Türkisch. Im Ernst: In Deutschland ist so etwas ein Ding der Unmöglichkeit!

Ein paar Dinge sind trotz allem noch zu regeln, meine Koordinatorin hat mir vesprochen, dass wohl bis Donnerstag alles eingetütet sein soll - inklusive Kursregistrierung, und, und, und… Ich mache so lange einfach noch ein bisschen Urlaub, denn das Wetter in Istanbul sagt immer noch: 29°C, kein Wölkchen am Himmel und strahlender Sonnenschein!

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